Der Browser ist das Tor zur Welt für Internauten.
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1. Der Browser verschwindet

Browser nehmen sich immer mehr zurück. Der russische Suchmaschinengigant Yandex ist der Meinung, dass wir das Web möglichst direkt nutzen sollten. Heisst: Ohne von Interfaces, unnötigen Toolbars und Button-Salat behindert zu werden. Der Chromium-basierte Yandex Browser zeigt, wie diese Zukunft des fast unsichtbaren Browsers aussehen könnte.

Bald gibt es nur noch Apps

When you think about it, an App is nothing more than a browserless Website.

Browser gehören der Vergangenheit an. Tom Green vom tuts+ zeigt, dass Länder wie China den verkabelten Desktop in die Ecke stellen und praktisch nur noch via Smartphone – und Apps – aufs Netzwerk zugreifen. Schliesslich präsentieren Apps diesselbe Information wie ihre Gegenstücke im Web, sind dabei aber viel einfacher verständlich, argumentiert er.

Macht Sinn, möchte man sagen. Doch was passiert, wenn man als Beleg für diese Theorie nicht antiquierte Grossbank-Seiten sondern moderne Web-Applikationen heranzieht? Und wie lautet das Urteil über Apps, wenn ein Grossteil der User auf grossen Bildschirmen arbeiten? Und was, wenn sich die richtige Apps in keinem der vielen App und Play Stores finden lässt?

Der Browser geht in die Wolke

Cloud Browser rocken die Zukunft. Sagt zumindest Adam Tanner von Forbes Tech. Warum? Die Antwort ist einfach. Physisch installierte Browser sind notorisch unsicher. Plugins, heruntergeladene Dokumente, Links: Sie alle können Hackern die Tore öffnen, um Geheimes zu entwenden.

Bei Browsern, die auf sicheren Servern unter der Aufsicht von spezialisierten Unternehmen laufen, ist das anders. Hier wird die Browser-Hygiene akribisch gepflegt und, wenn nötig, korrigiert. Die Aufgabe eines Angreifers wird also im Cloud-Browser ein ganzes Stück schwieriger.

Gleichzeitig wird für Nutzer das Surfen langsamer und verliert wegen des in der sicheren Cloud oft fehlenden Multimedia-Supports an Attraktivität.

Gartendenken statt Browser Power

Mobile Browser führen zu Corporate Gärtchen Nilay Patel von The Verge zeigt wie Inhalte immer mehr in geschützten Corporate Gärtchen wie Apple News oder Facebook Instant Articles publiziert werden. Der Grund dafür, so der Autor, ist die grottige Performance der grossen Web Browser auf mobilen Geräten.

Statt die Leistungsfähigkeit zu verbessern, denken die grossen Browser-Macher an ihr Business. Apple bewahrt sich mit dem einzig tolerierten ultra-langsamen Safari-Browser sein App-Geschäft und Facebook bremst mit Instant Articles Schleich-Browser aus und kommt zu Views und Werbeeinnahmen auf iPhones. Dabei bleibt das offene Web – und offene Web-Technologie – auf der Strecke.

2. Apps werden zu Mikro-Browsern

Browser werden in Apps integriert. User Experience Designer Surya Prakash beobachtet den Trend, dass immer mehr Apps einen Browser enthalten. Die App wird für viele Nutzende zum eigentlichen Browser. Obwohl dieser Zugang Vorteile birgt, etwa den, dass App-Nutzende direkt in ihrer App externen Content konsumieren können, birgt er vor allem Nachteile: Datenschutz, Abhängigkeit von App-Anbietern, Aufteilung verschiedener Inhalte auf verschiedene Apps.

Die Zukunft liegt im Browser sagt Prakash. Nur: Der Browser von morgen muss mehr können. Erste Anzeichen dafür sind das Chat Feature in Firefox oder die Notiz-Funktion in Microsofts Edge. Browser werden zu Alleskönnern und lösen damit die zersplitterte App-Architektur ab.

3. Browser können immer mehr

Browser können mehr. Und mehr. Und mehr. Dieser Artikel von The Verge zeigt eindrücklich, was der Browser von heute alles kann. Für viele Features braucht es eigentlich keine App mehr, so das Credo.

4. Browser, App und Betriebssystem verschmelzen

There were browsers, there are browsers and there will be browsers. Surya Prakash.

Apps, Web und Betriebssystem wachsen zusammen. Web- und App-Designer Ilya Birman zeigt, warum Apps aktuell so populär sind: Schnelle, zackige User Interfaces, direkter Zugriff auf System-Features und Offline-Verfügbarkeit.

Er zeigt gleichzeitig, dass das moderne Web in allen diesen Bereichen aufholt. Es bleibt aber einiges zu tun, denn tatsächlich sind Web Applikationen zu langsam, zu weit weg vom System des Nutzers. Deshalb, so Birdman, ist zu erwarten, dass Betriebssysteme sich langsam aber sicher zu Browsern wandlen werden, die von jedem Fenster aus Zugriff auf die unermesslichen Weiten des Internet ermöglichen.

Wir werden Websiten starten, wie wir heute Mircrosoft Word starten, nämlich durch einen einfachen Klick auf ein Programm-Icon.

Browser verschaffen Zugang zur Applikations-Cloud. Dieser Artikel von TNW News erklärt, wie stark alle Applikationen (auch und besonders native) vom Web abhängig sind. Autor Harrison Weber ist überzeugt, dass Apps ihren Rechenbedarf immer mehr in die Cloud (also auf Rechner irgendwo in der Welt) verschieben werden. Das Web – und damit eine Art Browser – wird in Zukunft wieder wichtiger. Sobald die Bubble der proprietären App Stores platzt.

5. Der Browser gewinnt

Browser wird zum Betriebssystem. Sascha Lobo, deutscher Internet-Spezialist, ist sicher, dass der Browser das nächste grosse Kapitel in der Geschichte des Personal Computing schreiben wird. Statt in Fenstern denken wir (vielleicht schon heute) in Tabs, Leisten und Plugins. Der Browser, so die These Lobos, wird die Betriebssysteme der Zukunft prägen. Recht hat er, wenn man Entwicklungen wie Chrome OS betrachtet.

Die Web-Plattform setzt sich durch. Michael Bleigh von TechCrunch ist überzeugt davon, dass der Browser trotz des aktuellen App Booms Bestand haben wird. Zu einfach, flexibel, zu robust und vor allem zu offen und frei sei das browser-gestützte Web.

Ganz im Gegenteil dazu App Stores. Starr, überladen und corporate-kontrolliert. Dies, zusammen mit den immer vielseitigeren und flexiblen Browsern, so Bleigh, ist eine Formel für den allmählichen Niedergang der nativen App.

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Derweil: Unentschieden in China

Die chinesische Alibaba Group hat ein Imperium von vernetzten Services aufgebaut. Kernangebot der Gruppe ist ein Online-Marktplatz im Stil von Amazon oder Ebay (taobao.com). Vernetzt sind aber auch eine Microblogging-Plattform, eine Shopping-Suchmaschine und eine Messaging App, sowie ein Ersatzbrowser. Eigentliche Browser benötigt in China niemand mehr, so scheint es.

Gleichzeitig rücken chinesische Browser-Hersteller, wie etwa UC Web in die gegenteilige Richtung. Mit einem webbasierten App-Marketplace, der HTML5-Applikationen nicht zum Herunterladen anbietet, sondern direkt auf dem Server ausführt, sollen Native Apps verschwinden.

Cloud-gehostete “Light Apps”, wie dieser Applikationstyp genannt wird, müssen weder heruntergeladen, installiert, noch upgedated werden. Nicht nur für ein chinesisches Publikum ist dies von Vorteil, gibt sich der SEO von UC Web, Yu Yongfu, überzeugt. Langsam und stetig soll sich die noch junge, aber entwicklungsfähige Art Apps unter die Leute zu bringen, auch im Westen ausbreiten. Nachlesen: China setzt auf HTML5-Apps.

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