Team-Mitglieder haben den Vorrang vor Einzelkämpfern.
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Wen stellen Sie ein: Den tollen Programierer, der aber kommunikativ schwächelt oder den technisch nur mittelmässigen aber sozial-kompetenten Kandidaten?

“Den sozial-kompetenten Bewerber”, beantwortet Thomas Nanzer die Frage eines Informatik-Studierenden ohne zu zögern.

Er ist Head R&D Software Development bei der Sensirion AG, einer Firma, die Sensor- und Softwarelösungen herstellt. Unter anderem hat die Firma ein Bauteil für das weltweit erfolgreiche Mobiltelefon Samsung Galaxy S4 produziert.

Nanzer verwendet viel Zeit darauf, neue Mitarbeitende zu rekrutieren. Dabei achtet er vor allem darauf, dass er nicht nur technisch versierte, sondern möglichst auch team-kompatible Mitarbeitende anheuert.

Die Erfahrung hat ihn gelehrt, dass oft gerade die technisch talentiertesten Team-Mitglieder bei den sogenannten Soft Skills Lücken aufweisen. Kann oder will ein Entwickler nicht mit anderen über seine Aufgaben sprechen, ist er wertlos oder gar schädlich für die Firma.

Deshalb achtet Thomas Nanzer darauf, dass künftige Mitarbeitende, nicht nur eine solide technische Basis mitbringen, sondern auch kommunikatives Gespür und Team-Fähigkeit an den Tag legen.

Die folgenden Tipps basieren auf einem Vortrag, den Thomas Nanzer im Rahmen der Veranstaltungsreihe Hot Topics an der Hochschule Luzern gehalten hat:

Technische Basis

  • Als Kandidat benötigst du ein starkes technisches Fundament.
  • Du musst lernbereit sein. Denn gerade die IT-Industrie entwickelt sich rasant. Lernpausen gehen praktisch nicht mehr.
  • Du musst Prioritäten setzen können. Lerne nur, was du mehrmals oder über längere Zeit brauchen kannst, so die Devise. Dazu gehören die Kunst des Clean Code, Architekturen und ihr Konsequenzen, Design Patterns und ihre Anwendbarkeit sowie die Fähigkeit Abstraktionen erkennen und entwickeln zu können.
  • Du musst technische Dinge erklären können.

In Bewerbungsgesprächen, stelle ich Fragen zum Software Design. Mich interessiert, ob Bewerber die grundlegenden Prinzipien von Software verinnerlicht haben. Ob sie zehn Programmier-Sprachen beherrschen ist mir vorerst egal.

Persönliche Kompetenzen

  • Suche Fehler: Erfolgreiche Mitarbeitende suchen Fehler. Und sie fangen bei sich selbst damit an.
  • Mach Fehler: Erfolgreiche Mitarbeitende machen Fehler. Gewöhn dich dran. Lerne daraus. Und mach weiter.
  • Sei zuverlässig: Wenn du eine Arbeit nicht bis zur Deadline schaffen kannst, sag es so früh wie möglich.
  • Sei flexibel: Job-Beschreibungen sind längst nicht mehr in Stein gemeisselt. Sei nicht dogmatisch und mach auch die Dinge, die nicht zu deinen Kernkompetenzen gehören. So lernst du dazu.
  • Sei kreativ: Wenn du nicht beizeiten fertig wirst, finde einen anderen Weg.
  • Hinterfrage alles: Nimm Aufträge und Anforderungen nicht als gottgegeben. Frage dich: Braucht es dieses Feature wirklich? Was will der Auftraggeber erreichen? Gibt es einen besseren Weg? Du musst Leute von undurchdachten oder unmöglich teuren Wünschen abbringen können.
  • Steh hinter dem Projekt: Fühle dich verantwortlich für deine Arbeit und das gesamte Projekt. Versuche dich immer zu verbessern. Lerne, effizienter zum Ergebnis zu kommmen.

Team Skills

Im Arbeitsleben erreichst du nichts alleine. Gewöhne dich also an Kollaboration. Höre zu und frage nach.

  • Wenn ein Projekt in Schieflage gerät, frage dich warum. Und: Sei dir im klaren darüber, wie du zum Misserfolg beiträgst!
  • Sei dir immer bewusst, dass es nicht deine technischen Skills sind, die dich erfolgreich machen im Beruf. Sie sind lediglich die Grundlage.

Zwei Techniken für besseres Zuhören

  • Wiederhole, was du verstehst. Du könntest dich verhört oder etwas verwechselt haben. Lass dich korrigieren und versuche es noch einmal.
  • Unterbrich deinen Gesprächspartner: Sobald du etwas nicht verstehst, unterbrich und frag nach. Besonders, wenn es sich nach einer dummen Frage anhört.

Zwei Misserfolge, fünf Erkenntnisse

Thomas Nanzer lebt vor, was er predigt. Er skizziert zwei fehlgeschlagene Projekte und zeigt, dass sie nicht an der technischen Kompetenz der Mitarbeitenden, sondern an mangelnder Kommunikation und zu begrenztem Verantwortungsbewusstsein gescheitert sind.

  • Jedes Team benötigt jemanden, der zwischen Spezialisten vermitteln und übersetzen kann; jemanden, der die Differenzen zwischen ihnen als solche erkennt und darauf hinweist.
  • Eine unvollständige Spezifikation am Anfang eines Projekts ist kein Problem. Aber solange du keine klare Vorstellung von den Zielen, von der Vision hast, solltest du nicht zu arbeiten anfangen.
  • Jeder im Team muss neue Anforderungen überprüfen. Nicht immer sind sie mit der Vision für das Projekt kompatibel.
  • Iterative Arbeitsweisen bewahren niemanden davor mitten im Projekt noch einmal die Architektur des ganzen Projekts zu überdenken.
  • Lass dich nicht von Lösungs-Ideen beeinflussen. Versuche stattdessen das zu lösende Problem zu verstehen und finde selber heraus, wie du es am besten bewältigst.

Wo lernen Programmierer Kommunikation?

Wichtig, aber nicht allein entscheidend für den Erfolg im Beruf sei der Studienweg, so Thomas Nanzer:

Bewerber, die eine universitäre Ausbildung absolviert haben, seien oft schnell, anpassungsfähig, stresserprobt und theoretisch versierte Schnelllerner.

Absolventen der stärker praxisorientierten Fachhochschulen hätten dagegen den Vorteil, dass sie vor und während ihrer Studienzeit berufstätig sein können. Ihre persönliche und professionelle Erfahrung könne im Bewerbungsgespräch – gerade wegen der immer wichtiger werdenden Soft Skills – das entscheidende Zünglein an der Wage sein.

Zuletzt gilt aber: Wer die technischen Basics mitbringt, flexibel ist und sich in ein Team einpassen kann, lernt auch noch im Job wie Zuhören, Nachfragen und Durchsetzen geht.

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