Titel sind Lockrufe zum Text, erklärt Chistian Scholz einleitend. Sie sollen nicht nur am Anfang stehen, sondern auch am Anfang erstellt werden. Viel zu oft verkümmern Titel, weil sie von Schreibenden stiefmütterlich behandelt werden.

Schlechte Titel, gute Titel

Ein Weg zum besseren Titel führt über die Kritik nicht ganz so gelungener Überschriften. Schlechte Titel

  • verwenden wirre Metaphern
  • sind abstrakt
  • reduzieren zu wenig und ufern aus
  • enthalten nichts, was ansprechen, Lust machen würde
  • decken nicht genügend ab, um was es im Haupttext geht
  • suhlen sich in Modewörtern: Werfen mit proaktiven und äusserst spannenden oder gar interessanten Visionen um sich
  • zerfallen in Bindewörter, Kommata und Adjektive
  • stellen eine Frage, die der Text nicht beantwortet

Warnsignale erkennen

  • Viele Silben
  • Misslungene Bildsprache
  • Wörter, die auf „-ung“ oder „-keit“ enden
  • Abstraktes

Muster helfen weiter

  • Namen verwenden: Titanic
  • Zahlen? Gehören in den Titel.
  • Zitat im Titel: Zitate aus Pop, Kultur, Geschichte, Zitat aus dem Inhalt.
  • Wortwierderholung: „Einzelgänger und Doppelgänger”
  • Trivium, Aufzählungen
  • Aussagen
  • Neue Metaphern
  • Ungewohntes nebeneinander stellen, Komposition von Begriffen.
  • Appell. Ausrufezeichen!
  • Alliteration anwenden
  • Konfrontation, Gegensätzlichkeiten und Polaritäten einbeziehen
  • Oxymoron: Nicht-Zusammengehöriges zusammenstellen
  • „aber“, „doch“, „oder“ erzeugen Gegensätze
  • Reim. Der Klassiker ist sparsam einzusetzen.
  • Ortsbezeichnung + Zeit: Bern, Bümpliz um Mitternacht
  • Begriff + geographisches Adjektiv: Ferien auf italienisch.
  • Kurzer Relativsatz. Der Mann, der lachte

Was ein Titel leisten muss

  1. Die Überschrift muss eine klare Aussage haben
  2. Aussage kann, muss aber, nicht der zentrale Aspekt des Textes sein
  3. Muss einen Leseanreiz schaffen

Gestalten wir Titel!

  1. Wortbilder: Mond versus Explosion. Umlaute können im Titel optisch stören.
  2. Klang: Nicht alle Wörter klingen gleich. Die alte Kunst der Wortmalerei (siehe Onomatopoesie) kondensiert Klangwelten in kleine Wörter.
  3. Rhythmus: Sprache ist immer Rhythmus. Wie Ezra Pound evoziert mit seiner Rhythmisierung etwa das sich verlangsamende Stampfen einer Lok am Bahnsteig (siehe “In a Station of the Metro”).

Nicht nur Titel sind Titel

Bild-Unterschriften sind die eigentlich wichtigsten Texte: 90 Prozent der Nutzer betrachten Bild und Bildunterschrift.

Zwischentitel fassen den nachfolgenden Text zusammen. Sie versuchen nicht über formale Kriterien eine Einheit im Gesamttext zu schaffen. Obwohl, wenns passt, passts. Eindrückliche Hörbeispiele für wunderbar orchestrierte Zwischentitel liefert das Echo der Zeit.

Der Weg zum guten Titel

  1. Text lesen
  2. Sätze, die nicht entscheidend sind streichen.
  3. Entscheidendes behalten
  4. Resultat: Grundpfeiler eines Textes. Diese beantworten die journalistischen W-Fragen.
  5. Aus den Grundpfeilern des Textes einen Titel schreiben

Titel immer Peer-Editieren! Synonymwörterbücher verwenden! Alles als Titel lesen. Ob in der Werbung, in Filmen, oder auf Lastwagen: Kurze Texte lehren uns, bessere Titel zu schreiben.

Fazit

  • Reduktion ist das Ziel
  • Dialog-Situationen fürs Review suchen
  • Titel nicht überladen sondern einfach und funktional halten
  • Inspiration für Titel kann von überall herkommen

Update

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